„Schloss aus Glas“ hätte eine tolle Geschichte werden können. Ist sie aber nicht. Diese Autobiografie ist erschreckend und auch traurig und spiegelt nur zu gut wieder, wie es hinter den Vorhängen aussieht.

Wir haben also die Familie Walls, dessen Vater Alkoholiker und Mutter Lehrerin und Künstlerin ist. Die Familie lebt ein eher unkonventionelles Leben: Ständige Umzüge, kein festes Einkommen, von dem man leben könnte, hohe Schulden. Es wird nicht nur in heruntergekommen Häusern gelebt, sondern auch in Wüsten und Bergen übernachtet. Die Kinder leiden Hunger und müssen sich irgendwann sogar vom „Dumpster Diving“ (zu dt. Mülltonnen Tauchen, Erklärung folgt weiter unten) ernähren. Weil sie ihr dasein nicht mehr ertragen konnten, planen die Teenager-Schwestern Jeannette und Lori zusammen nach New York zu gehen und begannen, dafür Geld zu sparen. Ein Jahr lang arbeiteten die Schwestern zusammen mit ihrem Bruder Brian, um das nötige Geld zu sammeln. Eines Tages jedoch entdeckt Jeanette, dass ihr Vater ihnen das Geld gestohlen hatte. Lori ist am Boden zerstört und Jeannette wird eine Stelle als Babysitterin angeboten, welche sie ablehnt, um ihre Schwester empfehlen zu können. Anstelle von Geld solle sie mit einem Ticket nach New York bezahlt werden. Ob dieser Plan funktioniert, lest ihr in „Schloss aus Glas“.

Ich muss schon sagen, dass ich Jeannette Walls für diesen Roman wirklich bewundere. Ich hätte es wahrscheinlich nicht geschafft, über die wohl schlimmsten Dämonen meiner Vergangenheit zu schreiben: Meinen Eltern. Die Art und Weise, wie sie dem Leser ihre Geschichte zu vermitteln versucht ist wirklich herausragend. Ich habe mitgefühlt und mitgefiebert und war genauso enttäuscht wie die Schwestern, als herauskam, dass Rex ihnen das Geld gestohlen hatte. Generell ist es mehr als verachtenswert, dass Rex und Rose Mary ihre eigenen und belanglosen Wünsche mehr Bedeutung zugemessen hatten, als das Wohlergehen ihrer Kinder. Wenn man „kein Geld“ hat, dann schmeißt man nicht den Job, um seiner künstlerischen Leidenschaft nachgehen zu können. Das macht man nicht. Man hat eine gewisse Verantwortung seinen Kindern gegenüber, die man auch erfüllen sollte. Ansonsten ganz einfache Regel: Bekomm keine Kinder.

Tut mir leid, aber der Roman regt mich tierisch auf. Er ist nicht schlecht, im Gegenteil: Das Buch ist großartig. Aber diese Eltern…

Ihr müsst dieses Buch lesen. Es mag vielleicht kein Twilight oder „A Court of Thorne and Roses“ sein, aber dafür ist es besser: Es ist die Realität. Nichts kann dich mehr runterziehen, als die Wahrheit. Dieses Buch wird euch zerstören, aber auch aufbauen und gehört deshalb auch zu meinen All-Time-Highlights.

Lest es. Es wird euch nicht enttäuschen. 5 Sterne für herausragenden Mut und so viel Emotionen. Danke, Jeannette Walls.

 

 

*Kostenloses Rezensionsexemplar.

 

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