Wer erinnert sich an mehr, als er zugeben will?
Wer belügt andere und wer macht sich selbst etwas vor?
Was geschieht, wenn man sich nicht an die Wahrheit erinnert?
Können wir uns selbst und andere wahrhaftig kennen?
– Mark H. Evans

Unsere heutige Rezension ist wirklich harter Tobak, deswegen leiten wir das ganze auch einmal mit, sagen wir, einer kleinen spielerischen Fantasie-Übung ein. Stellt euch also vor, ihr könnt euch nicht mehr an das erinnern, was vor vorgestern war. Das ist alles futsch. Nur, was ihr euch tagtäglich einbläut, hat in eurem Hirn Bestand. Was ihr euch nicht aufschreibt und auswendig lernt, werdet ihr vergessen. Dieser Prozess beginnt ab eurem 18. Lebensjahr. Aber das ist kein Grund gleich deprimiert zu sein. Im Gegenteil – ihr gehört dann zur Elite. Ihr seid sogenannte „Duos“, jene Menschen, die sich an Gestern und Vorgestern erinnern können. Aber wenn ihr wirklich Pech habt, dann werdet ihr sogenannte „Monos“, Menschen, die sich nur an Gestern erinnern können.

Das ist die Welt, in welcher „Memory Game – Erinnern ist tödlich“ spielt. Eine Art von Paralleluniversum. Es gleicht unserem und ist doch durch die Gegebenheit einen Tacken anders. Deswegen hat mich dieses Buch auch so fasziniert. Es ist eben nicht nur ein reiner Thriller – ein Genre, dass ich in seine Rohform eigentlich nie lese! -, sondern spielt auch mit leichten Science Fiction-Elementen, wovon ich ein wirklich großer Fan bin. (Man siehe „Breakthrough“.)

Wer meinem Blog bereits seit circa einem Monat folgt, der hat bemerkt, dass ich an der Leseaktion zu „Memory Game“ teilgenommen (und leider das Interview verpasst) habe. Quasi der ganze Oktober war diesem Thriller gewidmet. Wenn euch die Leseaktion interessiert, dann findet ihr hier Part 1, Part 2, Part 3 und Part 4.

Aber jetzt lasst uns mit der eigentlichen Rezension beginnen.

Durch mein kleines Intro habt ihr nun eine vage Vorstellung von der Welt, in der Felicia Yap ihren Roman spielen lässt. Jetzt passiert in eben dieser Welt, wo man sich kaum an das erinnert, was vor zwei Tagen gewesen ist, ein Mord. Eines Tages steht die Polizei vor der Tür von Mark und Claire Evans und behauptet, eben diese Leiche sei die Geliebte von Mark und er sei der Hauptverdächtige in diesem Mordfall. Nur scheint die ganze Sache im Verlauf des Romans nicht mehr so klar und der Inspektor sieht sich vor einer wirklich unerwarteten, aber nichtsdestotrotz sehr grausamen Enthüllung.

Booklist hat dieses Buch wie folgt beschrieben: »Ein unglaublich fesselndes Debüt.« Dem kann ich mich nur anschließen. Erst einmal sollte man Yap ein großes Lob für diese fantastische Welt aussprechen, die sie mit Andeutungen und Zeitungsartikeln geschaffen hat. Man bekommt zwar nicht viele Informationen, aber jene, die man erhält, reichen vollkommen aus.

Die Charaktere Mark und Claire sind wirklich toll getroffen. Vor allem Claires Passagen hat Yap wundervoll eintönig und langweilig, fast schon depressiv dargestellt, um den Charakter dieser Protagonistin zu verdeutlichen. Ich hatte wirklich Schwierigkeiten Claires Kapitel zu lesen und das spricht Bände für das schriftstellerische Talent Yaps.

Wofür ich auch noch ein großes Lob aussprechen muss, ist die Aufmachung der Geschichte an sich. Der Schreibstil ist nicht sonderlich emotional, sondern eher kalt, beobachterisch und der Leser nimmt zunehmends die Rolle eines Ermittlers ein und versucht zusammen mit Hans dieses ganze Wirrwarr aufzuklären. Man ertappt sich selber dabei, wie man Theorien spinnt und diese wieder über den Haufen wirft, weil die Handlung gerade nicht dem entspricht, nimmt sie allerdings im Nachhinein wieder auf, weil alles von vorher wieder fallen gelassen wird oder man neue und aufklärende Informationen erhält. Ich fand das einfach toll.

Was mich allerdings wirklich gestört hat, war, dass Hans nicht in einem Rutsch Sophias Tagebuch durchgelesen hatte. So hätte er von Anfang an anders an den ganzen Fall herangehen können, was ihm alles im Endeffekt auch erleichtert hätte. Aber gut, da kann man sich ja schließlich drüber streiten.

Von mir erhält der Thriller seine verdienten 5 Sterne. Ich freue mich in der Zukunft auf mehr von Felicia Yap, denn mit „Memory Game“ hat sie wirklich ein herausragendes Debüt abgelegt, welches mich wirklich atemlos zurückgelassen hat.

Habt ihr „Memory Game“ auch schon gelesen oder vielleicht möchtet ihr es noch? Schreibt mir eure Gedanken zu dem buch doch einfach in die Kommentare! Ich freue mich darauf, von euch zu hören!

Bis dahin: Eat, read, sleep und repeat!

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