Es gibt wirklich kaum Bücher, die mich emotional so sehr mitnehmen, wie es „Die Farbe von Winterkirschen“ by Jackie Copleton getan hat. Ich habe nach jedem Kapitel eine kurze Pause einlegen müssen, weil mich das Gelesene so sehr mitgenommen hat. Es ist einfach unglaublich. Obwohl es sich hier um ein „fiktives Zeitzeugnis“ handelt, komme ich doch nicht drumherum mir vorzustellen, wie genau das tausenden Menschen am 9. August 1945 wirklich passiert ist. So viele sind gestorben…

Aber ich schweife wieder ab und verliere mich emotional schon wieder in eine Geschichte, die absolut Fiktion ist. Ich habe ein echtes Problem. Vielleicht sollte ich in Erwägung ziehen, mich einweisen zu lassen? Näh, die setzen mich wahrscheinlich auf literarische Diät und das mag ich nicht leiden.

Jedenfalls kommt hier der Klappentext für euch.

Sie verlor ihre Tochter an dem Tag, an dem die Bombe fiel. Ama hatte sich mit Yoko verabredet, um mit ihr über den Mann zu sprechen, den Yoko so liebte und Ama gleichermaßen verabscheute. Doch dazu kam es nie. Ama war zu spät – und ihre Tochter und ihr Enkel tot. 

Ama ließ Nagasaki hinter sich, wanderte nach Amerika aus, aber der Schmerz blieb. Nie konnte sie sich verzeihen, gab sich selbst die Schuld am Tod, ja sogar am Schicksal ihrer Tochter. Sie zog sich immer mehr zurück und lebte in ihrer eigenen Welt vll Trauer und Schmerz – bis ein junger an ihre Tür klopft. Er sagt, er sei Video, ihr totgeglaubter Enkel. Zuerst will sie ihm nicht glauben, doch dann öffnet sie ihr Herz und lässt die Hoffnung herein… 

Es war eine emotionale Achterbahnfahrt, die sich jedoch an einigen Stellen sehr gezogen hat.

Die Art und Weise, wie hier von Verlust, Trauer und deren Bewältigung geschrieben wird, ist wirklich greifbar und sehr echt. Obwohl die Protagonistin sich durchgehend Vorwürfe macht, ihre Schuldgefühle erwähnt und sich noch weitere Wiederholungen erlaubt, bekommt man aber nicht das Gefühl, dass sie selbstsüchtig oder falsch ist, wenn ihr versteht was ich meine. In dem Roman „Zehn Wünsche bis zum Horizont“ hat die Autorin diesen Punkt beispielsweise ziemlich arg verhauen und somit die ganze Geschichte ruiniert. Das war zum Glück hier nicht der Fall. Aber aufgrund dieser Wiederholungen hat sich die Geschichte, wie bereits erwähnt, an einigen Stellen mächtig gezogen und man hatte das Gefühl, am käme nicht so ganz vorwärts.

Ein weiterer Pluspunkt für mich war die Wörterbuchgliederung. Der Titel des Romans lautet auf Englisch „A Dictionary of Mutual Understanding“, wo bereits von Anfang an dieser Wörterbuch-Charakter unterstrichen wird. Damit gemeint ist schlichtweg, dass man zu Anfang jedes Kapitels ein Wort aus dem japanischen gesagt bekommt, welches dann sinngemäß erklärt wird. Das fand ich wirklich sehr interessant und barg auch einige wertvolle Informationen über die japanische Kultur an sich. Dieses „Wörterbuch“ hat den Leser noch einmal sehr gut an die Hand genommen und durch die Geschichte geführt.

Zuletzt lässt sich eigentlich nur noch sagen, dass der Roman eine wunderbare, bittersüße Atmosphäre geschaffen hat, die einem vor allem am Ende sehr stark mitgenommen hat. Dennoch reicht es für mich nicht ganz bis zu den fünf Sternen und ich gebe gut gemeinte vier Sterne.

Morgen geht es wahrscheinlich weiter mit dem Star Trek – Post Pt. 2, da ich bisher noch nicht wirklich dazu kam, ihn noch einmal Korrektur zu lesen. Meine neuen Lektüren werden nun zwei Manuskripte zu den entsprechenden Leserunden sein („Das Erbe der Rosenthal“ & „Ein Schreibtisch voller Träume“), deren ersten Part ich jeweils bis Heilig Abend gelesen haben muss.

Bis dahin: Eat, read, sleep & repeat!

 

 

*Kostenloses Rezensionsexemplar.

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