Willkommen zurück! Es tut mir leid, dass ich mich im Moment nicht häufiger melden kann als sonst, doch das liegt daran, dass ich bis Ende März meine Bewerbung für das CGL fertig haben und ich noch fleißig Bildchen malen muss! Bisher habe ich nur eine Hand voll Skizzen fertig und noch kein einziges „richtiges“ Bild. Deswegen muss ich mich echt ranhalten, sonst wird das nix…

Egal. Kommen wir zur heutigen Rezension. Ich habe mich vor kurzem bei der Lesejury angemeldet und mich auch bald darauf auch direkt bei einer Leserunde beworben. Tatsächlich hatte ich das Glück, dass ich ausgewählt worden war und nun darf ich euch „Das Erbe der Rosenthals“ von Armando Lucas Correa vorstellen/rezensieren. Ich muss schon sagen, das Buch war etwas besonderes. Also fangen wir an!

eb988e4cfb1729bb1fe46cbc6c1d8cad

Der Roman behandelt thematisch die Judenverfolgung während der Zeit des sogenannten ‚Dritten Reiches‘.

Aber aus der Perspektive eines Kindes.

Nämlich aus der Perspektive von Hannah. Ich habe das, ehrlich gesagt, nicht erwartet. Also die Perspektiven, nicht die Thematik. Die Thematik ist ja, soweit ich weiß, ein recht beliebtes Thema unter Autoren. Jedenfalls habe ich schon viele Romane in der Richtung gesehen und auch gelesen. Das Erbe der Rosenthals behandelt aber nicht nur einen Erzählstrang, sondern zwei und das macht es wieder zu etwas, das ich über alles liebe – einem Familienepos.

1939 muss die elfjährige Hannah mit ihrer Familie aus Berlin fliehen, denn sie ist Jüdin. Ein Schiff soll sie nach Kuba bringen, doch nur die Wenigsten dürfen die St. Louis dort verlassen. Auch Hannahs Familie wird auseinandergerissen.

2014 sucht die elfjährige Anna nach den Wurzeln ihres bei 9/11 verstorbenen Vaters. Ein Brief ihrer Großtante enthält Fotos und erste Hinweise. Doch erst als sie zusammen mit ihrer Mutter von New York nach Kuba reist, kommt sie der Geschichte ihrer Familie wirklich nahe.

Was bedeutet es, auf der Flucht zu sein, seine Heimat zu verlieren, die Liebsten? Einfühlsam und sprachgewaltig erzählt Armando Lucas Correa die Geschichte zweier Mädchen, die zwei Kontinente und mehr als sechs Jahrzehnte trennen, die aber so vieles verbindet: die Liebe zu ihren Vätern, ihr Überlebenswille, die Hoffnung.

eb988e4cfb1729bb1fe46cbc6c1d8cad

Likes

  • Die Perspektive. Bisher habe ich noch kein Buch aus der Perspektive eines Kindes zum Thema „Holocaust“ gelesen. (Ja, ihr habt richtig gehört. Ich habe nie ‚Der Junge im gestreiften Pyjama‘ oder ‚Die Bücherdiebin‘ gelesen. Und Anne Frank zählt für mich eher zu den Teenies.)
  • Die Flucht. Ich habe die Flucht gemocht, weil sie mich an ‚Als die Liebe endlich war‘ erinnert hatte. Dort geht es nämlich auch nicht um das Leben als Jude während der Diktatur, sondern um die Flucht und den Weg an sich.
  • Realitätsnah. Hier wird nicht viel mit Fantasie herumgespielt, sondern knallharte Fakten aufgezeigt, die sonst eigentlich im normalen Schulunterricht keine Erwähnung finden. Vor allem die Erfahrungen außerhalb Deutschlands, die man als Jude machen musste, waren wirklich sehr gut recherchiert. (Guckt mich nicht so an! Natürlich habe ich nachgeschaut, ob das alles stimmt. Schließlich will ich wissen, ob das, was ich lese, auch wirklich wahr ist.)
  • Der Schreibstil bzw. die Übersetzung. Da wir ja fast immer mit Übersetzungen zu tun haben, lässt sich eigentlich nicht viel über den Schreibstil des Autors sagen. Deswegen urteile ich einfach mal über die Übersetzung. Ich fand sie flüssig und habe keine Fehler gefunden. Man hat sich einer sehr bildgewaltigen Sprache bedient, die an manchen Stellen stark zwischen emotionell und teilnahmslos schwankte. Ich hatte so wie so das Gefühl, dass Hannahs Parts eher in die Richtung distanziert (vielleicht aufgrund dem zeitlichen Bezug?) und Annas eher in die Richtung emotionell ging (evtl. wieder möglicher temporaler Bezug?).
  • Die Charaktere. Die Charaktere haben mir wirklich in der Hinsicht gefallen, dass sie recht individuell und jeder für sich auf seine eigene Art und Weise durch waren. Manche waren psychisch wirklich nicht mehr auf voller Höhe, was das Lesen sehr interessant gestaltet hat. Aber seien wir mal ehrlich: Wer hätte noch alle Tassen beisammen, wenn er von einer Horde fanatischer Irrer gejagt worden wäre? Eben. Niemand.

eb988e4cfb1729bb1fe46cbc6c1d8cad

Dislikes

  • Einige Passagen haben sich wirklich gezogen wie Kaugummi. Ich weiß nicht, woran es genau lag. Vielleicht an der Übersetzung? Oder vielleicht waren ein paar Informationen zu viel des historischen Inputs? Ich kann es wirklich nicht benennen, aber leider bleibt mein Eindruck: Einige Stellen waren zum Einschlafen.
  • Ich weiß nicht, ob es wirklich ein Dislike ist, aber die schreibstiltechnischen Unterschiede zwischen Hannah und Anna fand ich doch etwas… ja… nervig. Ich hätte gern etwas mehr Einheitliches gehabt, wenn ihr versteht, was ich meine. Es war jetzt nicht wirklich schlecht oder hat die Qualität der Geschichte gemindert, aber mich hat es doch etwas gestört. Aber vielleicht ist das hier auch nur Meckern auf höchstem Niveau.
  • Die Gedanken und Ausdrucksweisen mancher – vor allem kindlichen – Charakteren ist doch etwas fragwürdig und raubt die Authentizität. Kinder denken wie Erwachsene und andersherum. Ich fand das an einigen Stellen wirklich komisch, habe mir da aber nichts weiter gedacht. Es waren eben flüchtige Momente, die auch nicht so tragisch viel an der Story mitgewirkt hatten.

eb988e4cfb1729bb1fe46cbc6c1d8cad

Aufgrund der Perspektive war der Roman schon etwas besonderes für mich. Das Erbe der Rosenthals hatte zwar einige gesprungene Ecken und Kanten, war aber dennoch eine durchaus lesenswerte und vor allem informative Lektüre. Ich würde diesen Roman niemandem empfehlen, der gerade auf ein Buch für zwischendurch aus ist, da die Geschichte dann doch etwas anspruchsvoller ist, als sie zu Anfang scheinen möchte.

Der Autor geht vernünftig und gut recherchiert an die grundsätzliche Thematik heran. An dieser Stelle muss gesagt werden, dass viele Autoren kritische Themen falsch anfassen ( wie bspw. Picoult mit Große kleine Schritte, wo sie alle Weiße als Rassisten betitelt und Rassismus als eine angeborene Krankheit darstellt, die wirklich und nur alle Weißen befällt. Und das direkt nach der Geburt an. Wir komme also quasi als Rassisten auf die Welt. Nett, oder?) und somit eigentlich meilenweit von ihrer eigentlichen Intention abschlittern. Nicht so Correa. Aufgrund seiner guten und ausführlichen Recherche macht er das Thema nicht nur faktisch sondern auch realistisch greifbar. Hier wurden keine Fakten alternativisiert sondern die Wahrheit knallhart ausgesprochen.

Was mir persönlich als keiner Bonus auch noch gefallen hat, war der Anhang, wo Fotos und Quellen gezeigt wurden. So etwas liebe ich, weil ich mich persönlich für Geschichte enorm interessiere.

Ich verbleibe aufgrund der genannten Punkte deshalb mit vier Sternen, denn einige Stellen hätte man noch ein wenig mehr ausarbeiten können.

Momentan lese ich den zweiten Band der Vakkerville-Mysteries-Serie und hoffe, dass die Rezension in den nächsten Tagen das Licht des Blogs erblickt. Ich lese jedenfalls so schnell und viel wie es mir die Arbeit an meinem Portfolio erlaubt.

eb988e4cfb1729bb1fe46cbc6c1d8cad

Und jetzt eine ganz verrückte Idee…

Redet mit mir!

Wie findet ihr den Gedanken, dass die Judenverfolgung aus der Sicht eines Kindes beschrieben wird? Und liegt Das Erbe der Rosenthals bereits auf eurer Wunschliste?

 

 

*Leserunden-Exemplar.

2 thoughts on “»Das ist nicht der Moment für Tränen – es ist unser Traum.« | „Das Erbe der Rosenthals“ by Armando Lucas Correa.

  1. Dieses Buch hatte ich auch schon ein paar Mal in der Hand. Hab es dann aber doch nicht genommen. Ich persönlich finde ja über dieses Thema kann man gar nicht genug schreiben. Ich stelle es mir aus der Sicht eines Kindes sehr dramatisch vor. Wenn ich daran denke, was für schlimme Sachen Kinderseelen in dieser Zeit durchleiden mussten … fehlen mir meistens die Worte …

    1. Hallo, Marlen!

      Faszinierend an der Perspektive war auch, dass das Kinder meist auch gar nicht verstanden hat, was da genau abgeht oder was die anderen Kinder und Erwachsenen plötzlich gegen es hatten. Natürlich war die ganze Aktion auch sinnfrei, aber wie seltsam es für die betroffenen Menschen gewesen sein musste, hat man doch wirklich erst aus der Sicht eines Kindes erfahren müssen. Und genau das war eigentlich das Highlight an dem Roman. Aber ansonsten bewegte er sich eher in der Richtung etwas höherer Durchschnitt.
      Man muss ihn halt nicht gelesen haben, ist aber auch nicht verkehrt, wenn man es tut.

      Danke für deinen lieben Kommentar und die ehrliche Meinung! Hab noch einen schönen Restmontag!
      Liebe Grüße!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.