Ich hatte wieder einmal die tolle Möglichkeit durch eine Leserunde einen neuen Verlag und eine neue Autorin kennenzulernen. Es geht um den Sternensand Verlag und die dort publizierende Autorin Regina Meißner zusammen mit ihrem Roman „Schwanenfeuer – Der Fluch der sechs Prinzessinnen“.

Bei dem Roman handelt es sich um ein Schwanensee-Retelling und ich war eigentlich der Meinung, dass man da eigentlich nichts falsch machen konnte. Leider musste ich eine bittere Enttäuschung erfahren… Aber mehr dazu jetzt.

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Dieses Buch war wirklich eine Herausforderung.

Ein wahres Trigger-Fest.

Ich weiß nicht, was mich mehr gestört hat. a) Die Logikfehler; b) die klischeehafte „Beziehung“ oder c) die Erzählweise. Die circa 300 Seiten haben sich aufgrund dieser Aspekte so unendlich in die Länge gezogen, dass ich manchmal das Gefühlt hatte, auf ein besonders zähes Stück Fleisch zu kauen. Kein Witz. Es war anstrengend.

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Likes

  • Das Cover ist einfach nur der Hammer. Seht es euch an. Lasst es einfach auf euch wirken. Epicness pur, nicht wahr?
  • Die Thematik ist wirklich cool. Die reine Idee des Retellings ist immer cool. A Court of Thorns and Roses, Alice im Zombieland, Hunted… Das sind alles Retellings von bekannten Märchen. Auch Schwanenfeuer.

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Dislikes

  • Keine Erklärungen. | In dem Buch gibt es wirklich keine einzige Erklärung in Bezug auf die Welt, Charaktere usw. usw.
  • Erschreckende Oberflächlichkeit. | Wie in Punkt 1 bereits erwähnt, wird nichts wirklich eingehend erklärt. Der Leser hat mit einer erschreckenden Oberflächlichkeit zu kämpfen und bekommt keinen tieferen Einblick in die Charaktere oder die Handlung.
  • Lack of Logic. | Houston, Wir haben hier definitiv ein Logik-Problem. Es gibt hier einfach viel zu viele Stellen, die einfach keinen Sinn machen. In meinem Post Gedanken zwischen den Seiten… habe ich einige Logikfehler aufgelistet, die mir bereits auf den ersten 50 Seiten aufgefallen sind. Auf den restlichen 250 sind dann noch mal einige dazugekommen.
  • Und die Zeit rennt… | Es geht einfach alles viel zu schnell! Die Ereignisse überschlagen sich unkontrolliert und als Leser wundert man sich einfach nur noch bis zum Ende hin, wieso das alles so fix ging. Ein großer Wald wird innerhalb einer Nacht durchquert, in der man sich erst mal richtig kennengelernt hat, den Plan bespricht und anschließend noch vor einer schwarzen Fee davonläuft. Am Morgen danach ist man bereits in einem Dorf und am Abend schon wieder an einer ganz neuen Location. Um hier wieder das Lack of Logic aufzuzeigen: Estelle sagte selbst, sie sei als Schwan oft große Bögen geflogen und habe so die Umgebung etwas erkundet, und dann sind ihr im Flug die ganzen Sache, die angeblich zu Fuß nur zwei Tage entfernt liegen, nicht aufgefallen? Also entweder ist der Charakter Estelle ziemlich dumm oder sehr unaufmerksam. Oder die Autorin hat hier den Zeit- und Wegfaktor etwas misslich kalkuliert.
  • Die Charaktere. | Ugh, die Charaktere waren für mich wirklich nicht gut. Ayden funktionierte ja noch halbwegs, auch wenn der hin und wieder seine Macken hatte. Aber Estelle hat für mich überhaupt nicht gepasst, ebenso wenig ihre Schwestern. Sie waren schrecklich nervig und wiederspüchig, dass sie mir nach kurzer Zeit direkt auf die Nerven gingen.
  • Die Beziehung. | Natürlich muss es in diesem Retelling auch ein Pairing geben. Dagegen habe ich grundlegend nichts, da hier (zum Glück) keine Dreiecksbeziehung vorkam. Aber dennoch war die geplottete Beziehung nicht gut. Sie hat für mich auch gar nicht funktioniert. Die Autorin arbeitete hier mit dem, nennen wir es, „Stolz und Vorurteil“-Prinzip. Estelle ist zu stolz und hat Vorurteile gegenüber Ayden, wobei der ihr nur helfen will und wird dafür die ganze Zeit angepöbelt. Plötzlich denken beide voneinander sehr sexuell (sie hat „sinnliche Lippen“ und er ist wirklich sehr „muskulös“). Die beiden haben keine wirkliche Entwicklung durchgemacht, keine Abenteuer bestanden oder sich in irgendeiner Form weiterentwickelt. Das angesprochene passierte bereits auf den ersten 50 Seiten, auf welchen sie gerade erst vom Schwanensee aufgebrochen sind. Ich find das nicht nur unauthentisch, sondern auch unglaubwürdig. Aber vielleicht habe ich auch seltsame Beziehungsvorstellungen.
  • Die Illustrationen. | No offense gegen die Künstlerin der Illustrationen, aber für ein Werk das von einem Verlag verlegt wird waren sie einfach nicht gut genug. Das einmal vorweg. Es mag sein, dass ich hier etwas zu kritisch drangehe, weil ich Kunst studiere, aber das ist halt meine Meinung. Künstler wie Nasmith (Tolkien) oder Charlie Bowater (S. J. Maas) gehören in Büchern, aber nicht die Dame, die hier ihre Illustrationen in dem Buch hat. Mal abgesehen von dem geringen und eher einfachen Skill hat sie unter den Bildern ihr Kürzel gesetzt, was nicht nur unangebracht, sondern auch sehr unprofessionell ist. Weder Charlie Bowater, noch Nasmith, noch Cornelia Funke haben jemals ihre Kürzel unter ihren Illustrationen in Büchern gesetzt. Der Name des Künstlers gehört zusammen mit dem Autor entweder auf das Cover oder die Impressumsseite. Ganz einfach. Ein Kürzel lenkt von der Bildsprache und -aussage ab. Ende. Außerdem passt der Stil überhaupt nicht zu der Aufmachung des Buches (Cover) und auch nicht zur Story. Eine Märchenadaption gehört zu einem natürlichen Stil, realistisch und an einigen Stellen auch hübsch stilistisch. Je nachdem wie gut es vom Künstler umgesetzt wird. Aber definitiv kein Manga-Stil. Das passt nicht. Manga und Cartoons gehören zu Popkultur und das lässt sich einfach nicht gut mit einer Märchenadaption vereinen, wenn die Bilder storyunterstnützend wirkend sollen. Dazu sollte auch noch gesagt werden, dass ich es auch nicht gerade sehr förderlich finde, gerade die Protagonisten ins Buch zu hauen. Lieber eine Szenerie oder einzelne Objekte. Denn jeder Leser hat seine eigene Vorstellung des Charakters und wenn ein Künstler noch nicht erfahren oder skilled genug ist, dann schafft er es einfach nicht, den jeweiligen Charakter genau so einzufangen, wie er eingefangen werden muss. Dafür braucht man einfach Erfahrung und die kommt nicht von heut auf morgen. An der Stelle wäre wirklich ein erfahrener Künstler die bessere Wahl gewesen, anstelle einer Manga-Künstlerin, die noch am Anfang ihrer Karriere steht. Gut, erfahrene Künstler kosten mehr, sind es aber wert. Wenn ein Verlag/Autor nicht bereit ist, einen qualitativ hochwertigen Künstler zu engagieren, dann sollte man lieber keine Illustrationen in Bücher packen. Das ist meine Meinung und niemand soll sich hier davon angegriffen fühlen, weder Verlag/Autor/Künstler.

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Also ich brauche nach diesem Roman keine Fortsetzung mehr. Soweit ich es verstanden habe, soll jede Prinzessin ihr eigenes Buch bekommen, aber mir hat schon das eine gereicht. Natürlich soll man einem Autor immer mehrere Chancen geben, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich mir noch einmal ein Buch von Meißner zu Gemüte führen werde. Vielleicht irgendwann in Zukunft, in ein paar Jahren, wenn sie sich etwas mehr als Autorin entwickelt und gefunden hat, dann ja. Aber im Moment noch nicht. Ich wünsche ihr jedoch von ganzem Herzen auf ihrem weiteren Wege alles Gute und Liebe!

Von mir erhält der Roman leider nur einen Stern, da er für mich wirklich gar nicht funktioniert hat. Leider sehr schade, da die Grundidee wirklich gut hätte werden können.

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Und jetzt etwas ganz verrücktes…

Redet mit mir!

Habt ihr „Schwanenfeuer“ gelesen? Oder ein anderes Buch von Meißner? Wie ist euer Eindruck von der Autorin?

 

*Leserunden-Exemplar.

 

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