Kennt ihr diese Witze

die so schlecht sind, dass sie wieder gut sind?

So etwas in der Art hatte ich nämlich bei diesem Buch. Es ist so verwirrend, dass es wieder richtig gut gemacht ist. Fragt mich nicht wie ich dieses Buch zu Ende lesen konnte, ich habe mir an einigen Stellen wirklich hart an den Kopf gefasst, weil ich mal wieder den Faden verloren hatte, aber genau das fand ich so toll. Das Buch verwirrt einen erst, kommt dann mit einer Überraschung, dann kommt die verwirrende Wendung, dann ein klein wenig Klarheit, wieder Verwirrung, dramatischer Wendepunkt, dann wieder ein Haufen Verwirrung und zum Schluss endlich der verwirrende Plottwist mit einem seltsamen Ende.

In einer Kleinstadtvideothek inmitten Iowas tauchen seltsame und unheimliche Filmschnipsel auf den Leihkassetten auf. Dunkle und grobkörnige Szenen, die eine Scheune zeigen, darin ein leerer Stuhl, Atemgeräusche sind zu hören. In späteren Clips taucht eine Frau auf, erst gefesselt und mit einer Kapuze über dem Kopf, dann durch ein Maisfeld laufend – auf der Flucht vor dem Kameramann. 
Der Videotheksmitarbeiter Jeremy will nichts mit der Sache zu tun haben, doch als seine Freundin Stephanie die Scheune in den Filmszenen wiedererkennt, muss er handeln.
Die Suche nach der Wahrheit hinter den Videos führt Jeremy und Stephanie in die Vergangenheit.

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Likes

  • Das Setting. | Ich mochte das Setting wirklich sehr gut leiden. Wir haben hier die 90er, einen alten VHS-Verleih und eine etwas ländlichere Gegend. Für einen Thriller einfach eine optimale Basiseinstellung!
  • Die Atmosphäre. | Dadurch, dass man eigentlich nie wusste, woran man gerade war und eigentlich immer mehr solcher verstörenden Tape-Szenen auftauchten, bekam man als Leser diese düstere und ängstliche Atmosphäre vorgesetzt, die super mit allem funktioniert hat.
  • Die Tapes. | Die Szenen mit den Tapes waren wirklich das Beste an dem ganzen Roman. Hier hat sich eigentlich erst das komplette narrative Talent von Darnielle offenbaren können: Eigentlich hatte er nur eine Tape-Szene beschrieben, welche sich aufgrund seiner Wortwahl aber so gut angehört hatte, dass man glaubte, sie selbst gerade auf dem Schirm betrachten zu können. Eine Meisterleistung!
  • Die Charaktere. | Die Charaktere waren super, auch wenn mich einer ein wenig gestört hat. Das ist einfach eine prinzipielle Abneigung solcher Typen, aber gut, der Roman, bestand ja nicht komplett aus dieser Art Charakter. Nein, wir hatten hier tatsächliche Menschen, die an einigen Stellen logisch handelten und an anderen wieder nicht – wie eben im realen Leben auch. Manchmal weiß man einfach nicht, weshalb man etwas tut, manchmal weiß man es doch, usw. usw. Und genau das hat Darnielle wirklich toll erzählt.
  • Der Erzähler. | Während des Lesens habe ich mich immer wieder gefragt, wer oder was der Erzähler ist. Nein, im Ernst. Manchmal glaubte ich, es sei einfach eine random Person (aka der „Allwissende Erzähler“), manchmal hatte ich jedoch den Eindruck, der Typ, der die Filmchen gedreht hatte, wäre der Erzähler und dann passte wieder ein völlig anderer. Einfach genial, so verwirrend es sich auch anhören mag.

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Dislikes

  • Jeremy. | Ja, Jeremy ist genau der Charakter, den ich nicht mag. Seine komplette Einstellung und Wesensart hat mich einfach von Anfang an nicht umgehauen. Ich mochte nicht, dass er sich raushalten wollte, mochte seine fast apathische Gelassenheit auch nicht leiden… Der Charakter war einfach nicht meins. Er hat zwar sehr gut zur Story gepasst und vielleicht war es sogar intendiert, dass er sich so gab wie er sich eben gab, aber ich empfand ihn nur als äußerst nervig. Das hat der Geschichte – zum Glück – aber keinen Abbruch getan.

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Rekorder in a nutshell: „“Manchmal will man einfach nur herausfinden, wie man in die Welt hineinpasst, die man bereits kennt.“ – Auch wenn man sich am Anfang vehement dagegen wehrt.

Für mich war dieses Buch ein wirkliches Erlebnis. Wer mir auf Instagram folgt und mal einen Blick in meine Stories geworfen hat, wird bemerkt haben, wie sehr mir das Buch gefiel. Wer mich noch nicht auf Instagram hat, darf mich gern einmal besuchen. (@thebookandtheowl)

Ich kann euch Rekorder empfehlen, wenn ihr auf düstere Stories steht, die an einigen Stellen so wirken, als seien sie gar aus einem Werk von Kafka entsprungen. Ein sehr spannender Erzählstil trifft auf düstere Atmosphäre – I like! Deshalb erhält der Roman auch verdiente 5 Sterne von mir.

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Und nun etwas ganz Verrücktes…

Redet mit mir!

Wie findet ihr Geschichten, die in den 90ern und davor spielen? Mögt ihr sie oder seit ihr eher diese „Jetzt-Zeit-Leser“?

Schreibt mir eure Antwort doch einfach unten in die Kommentare! Ich muss gestehen, dass mir die Vergangenheit doch eher liegt als das „Heute“. Aber die Zukunft ziehe ich allem vor. Fragt mich nicht warum, ich bin eben eine verrückte Nudel. Ich setzte mich jetzt wieder an die Arbeit und euch wünsche ich noch viel Spaß bei dem, was ihr gerade tut. Wir sehen uns!

Und bis dahin: Eat, read, sleep & repeat!

 

 

*Kostenloses Rezensionsexemplar.

2 thoughts on “»Manchmal will man einfach nur herausfinden, wie man in die Welt hineinpasst, die man bereits kennt.« |“Rekorder“ von John Darnielle

    1. Ich habe dich mit Kafka überzeugt? Das hör ich Extremist selten! Seit dem „Prozess“ meiden den nämlich irgendwie alle. :’D Dabei hat der Mann eine wirklich geniale Psyche, vielleicht etwas verrückt – aber: Sind wir nicht alle ein bisschen mad here? 😛

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