Ich habe durch Zufall vor einigen Jahren den Film „Gottes mächtige Dienerin“ mit Christine Neubauer gesehen und habe mich sofort in die Story verliebt. Fragt mich nicht, warum, ich bin einfach total verrückt. Die Geschehnisse des Films sind annähernd tatsächlich annähernd so passiert, denn er beruht auf die Leben von Papst Pius XII. und Schwester Pascalina Lehnert.

Ja, ich weiß, was ihr jetzt denkt: Schon wieder Katholiken auf deinem Blog? Wer nicht so sehr in diesem Thema drinsteckt, dem möchte ich sagen, dass es mir leid tut, ich mich aber sehr dafür interessiere. Nicht zuletzt deswegen, weil es meine eigene Konfession ist. Aber mal abgesehen von der Religion, geht es mir hier mehr um die Geschichte.

Der Film hat es geschafft, die Beziehung von Pius und Pascalina recht stark zu romantisieren, was im echten Leben nun einmal nicht der Fall war. Das beschreibt das gleichnamige Buch, auf dem der Film basiert.

Nie hatte eine Frau im Vatikan so viel Macht wie die Ordensschwester aus Altötting. Schwester Pascalina stand vierzig Jahre an der Seite von Papst Pius XII. Sie stieg von einer einfachen Haushälterin auf zur Privatsekretärin des Papstes, die er nicht mehr missen mochte. Eng vertraut mit den Kardinälen Francis Spellman und Michael von Faulhaber, wirkte sie in der Nachkriegszeit durch das päpstliche Hilfswerk auch für Deutschland und speziell Bayern segensreich. 

Martha Schad zeichnet anhand von bisher unveröffentlichten Briefen und Dokumenten das facettenreiche Leben der Schwester Pascalina, der »Hüterin des Papstes«. 

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  • Darstellung. | Martha Schad hat es wirklich sehr gut geschafft, die Charaktere von Pius XII und auch Schwester Pascalina darzustellen, ohne falsche Erwartungen oder Eindrücke zu vermitteln. Sie hat sie so beschrieben, wie es ihr aufgrund der vorliegenden Quellen und noch lebenden Zeitzeugen möglich war und hat damit ein sehr realistisches Bild geschaffen.
  • Quellen. | Martha Schads Quellen waren in der Hinsicht wirklich außergewöhnlich, dass sie bisher unveröffentlichtes Material enthielten, wie Briefe. In ihrem Buch liegen uns sowohl einzelne Briefe von Schwester Pascalina vor als auch von Papst Pius XII. selbst, der damals noch unter seinem bürgerlichen Namen reiste – Exzellenz Eugenio Pacelli. Für dieses Material war die Autorin extra in genau jenes Kloster gereist, wo Schwester Pascalina ihr Profess ablegte – in Altötting.
  • Die andere Seite. | Einseitige Recherche gibt es mehr als genug. Das beweist zum Beispiel John Cornwell, ein Historiker, der im Jahre 1999 eine Biografie zum bereits erwähnten Papst im C.H.Beck Verlag veröffentlichte. Der deutsch Titel lautete „Pius XII – Der Papst der geschwiegen hat“, im englischen „Hitlers Pope“. Wenn man seine Biografie liest, kommt man sich so vor, als würde Cornwell zwanghaft versuchen, das Schweigen von Pius XII. als bösartigen Akt gegenüber den Juden darzustellen und somit eine Verbindung in Richtung Hitler zu stecken. Das ist eben nicht der Fall und wurde von weiteren Historikern wie Michael F. Feldkamp oder auch Martha Schad nachgewiesen. Das Schweigen des Papstes zur Zeit des Nationalsozialismus stand in keinster Weise in Verbindung mit Antisemitismus der katholischen Kirche oder des Papstes an sich, auch wenn man ihm das auch noch Jahre nach seinem Tod vorwirft. Der Papst hatte bereits eine Ansprache vorbereitet, in welcher er sich konkret gegen die Judenverfolgung und dem Hitler-Regime ausspricht, hatte jedoch kurz vor der geplanten Rede die Nachricht erhalten, dass ein niederländischer Bischof öffentlich gegen eben jenes Regime appelliert hatte und aufgrund seiner Rede daraufhin die Deportation von 40.000 niederländischen Juden veranlasst wurde. Wenn die Worte eines „normalen“ Bischofs 40.000 Leben kostete, wie viel würden dann die Worte des Papstes kosten, dem Kopf der gesamten katholischen Kirche? Pius XII nahm an, sich hier im Rahmen von mehreren hunderttausend zu bewegen und beschloss, dass diese Leben es nicht wert waren, getötet zu werden – er verbrannte seine Rede und sagte sie auch ab. Er lieferte dafür keine Gründe. Nur seinen engsten Vertrauten erklärte er sich und seine Lage – darunter auch die deutsche Ordensschwester Pascalina. So kam der Mythos ans Tageslicht, dass der Papst aus Boshaftigkeit geschwiegen habe – dabei geschah dieses Schweigen aus Nächstenliebe und stand in keiner (persönlichen) Verbindung zu Hitler.

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Dislikes

  • Verwirrungen. | Einige Stellen sind sprachlich sehr verwirrend. Ellenlange Schachtelsätze, die irgendwie nicht grammatikalisch logisch enden wollen. Sehr nervig. Eigentlich sollte man meinen, ein Lektor würde genau das ausmerzen. Leider in diesem Fall nicht. Schade.
  • Struktur. | Obwohl wir aufgrund des Inhaltsverzeichnisses eine klare Struktur vorgegeben bekommen haben, kommt diese Struktur nicht wirklich durch und ich habe sie auch mehr als einen groben Leitfaden beim Lesen wahrgenommen. Der erste Teil beispielsweise befasst sich mit den Jahren 1894 bis 1929, endet also mit den Nuntiaturen in München und Berlin. Doch in diesen konkreten Jahren (1894 – 1929) driftet Martha Schad immer wieder in die Zukunft ab und das meist ohne einen wirklichen Schlüsselgrund. Sie macht es einfach, weil sie es kann und das finde ich in dem Moment wirklich eher hinderlich als alles andere.
  • Fehler. | Es gab leider hin und wieder einige Rechtschreibfehler- und (wie bereits erwähnt) Grammatikfehler, die eigentlich nicht sein dürften. Aber das ist mehr eine Kritik ans Lektorat als denn eine an die Autorin.

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Martha Schad schreibt in ihrer Biografie sehr detailliert über das Leben der Schwester Pascalina, die sie selbst als Gottes mächtige Dienerin deklariert. Wir bekommen nicht nur trockene historische Ereignisse geliefert, sondern zwischenmenschliche Beziehungen erklärt und bewiesen. Hier wird nicht nur davon gesprochen, was die breite Menge bereits weiß, sondern was sie nicht weiß und das wiederum untermauert durch entscheidendes Briefmaterial.

Sie hat auch eindeutig dieses Irrbild wegradiert, dass Schwester Pascalina genau so viel Macht, wenn nicht noch mehr, wie der Papst habe. Das stimmt grundsätzlich nicht. Sie hatte ihre Grenzen, genau wie jeder andere im Vatikan. Lediglich in den letzten Jahren, als der Papst immer kränklicher wurde, entschied sie, wer zu ihm durfte und wer nicht. Dadurch machte sie sich mächtige Feinde, wie bspw. Kardinäle. Aber das lag nicht daran, dass sie ihre Position ausnutze, sondern um ihren kränkelnden Papst zu schützen, der einfach nicht mehr dazu in der Lage war, sich so sehr zu belasten, wie früher. Sie versuchte ihn zu schützen und dabei war ihr ihr eigenes Ansehen vollkommen egal. Denn man mag es nicht meinen, aber auch im Vatikan herrschen Eifersüchteleien, vor allem, wenn die von Papst bevorzugte Person auch noch eine Frau war. Man kann also sagen, dass die Schwester schon allein aufgrund ihrer Existenz am päpstlichen Hof nicht gemocht wurde und ihre Vertrautheit mit dem Papst war der Gipfel des Eisbergs. Weshalb sie nach dem Tod von Pius XII auch umgehend den vatikanischen Palast verlassen musste.

Jedoch kann ich aufgrund der bei Dislikes angeführten Punkte nicht die volle Sternchenzahl geben und verbleibe deshalb mit gut gemeinten 4 Sternen. Andere Biografien von Martha Schad werde ich mir definitiv zu Gemüte führen, da sie thematisch immer wieder in derselben Zeit bleibt – dem Nationalsozialismus.

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Blog Underline

Wie war euer bisheriges Bild von Vatikan und NS-Regime?

Diese Biografie macht einfach einmal mehr klar, dass man die Menschen und Taten während der NS-Zeit nicht einfach so oberflächlichen analysieren und verurteilen kann. Es waren extreme Bedingungen für alle und nicht nur für Juden. Selbst Katholiken wurden zum Ende hin von den Nationalsozialisten verfolgt. Deswegen sollte man sich vorher informieren, bevor man fehlgeleitete Bücher schreibt, so wie es John Cornwell getan hat. Als Lese jedoch sollte man immer aufmerksam lesen, sodass man nicht eventuell noch falsche Meinungen, Ideen, Ideologien oder sonstiges auffasst und verinnerlicht.

Aber genug von unseren kleinen Exkurs. Im nächsten Blogpost widmen wir uns wieder den schönen Seiten der Literatur. Und bis dahin:

Eat, read, sleep & repeat!

 

Gottes mächtige Dienerin erschien im HERBiG Verlag.

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