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Die Einleitung zu dieser Reihe findet ihr hier.

Selbstliebe und Selbstgespräche sind etwas für Narzissten und Psychopathen. Punkt. Und jetzt kommt so eine Esoterik-Dame, die mir sagt, Selbstliebe und Selbstgespräche seien gut? Das rüttelt zweifelsohne an meinem Weltbild. Red Alert: Existenzielle Krise im Anmarsch.

Das Buch sagt mir also (ja, meine Ausgabe kann sprechen!), ich solle mich bei jeder Gelegenheit vor einen Spiegel stellen und mir selbst laut zureden. Ich solle mir selbst in die Augen schauen und klar und ganz deutlich die Worte „Ich möchte dich mögen. Ich möchte wirklich lernen, dich zu lieben. Lass uns zusammen schöne Dinge erleben.“ sagen. Komme ich mir dabei dämlich und ein kleinwenig verrückt vor? Absolut. Aber ich war schon immer verrückt. (Aber niemals dumm! – Gut, vielleicht habe ich mich in einigen Situationen nicht gerade wie ein halbwegs zivilisierter Mitteleuropäer verhalten, aber geistig eingeschränkt bin ich noch lange nicht. Naja, okay. Vielleicht ein bisschen schon.)

Woche 1. Selbstliebe, -gespräche & -erkenntnis

Ich muss gestehen, ich habe mit dem Buch so meine Probleme. Vor allem was die Wortwahl angeht. Wann immer ich Louise Hays Wortschatz verwendet habe, habe ich mich unwohl gefühlt. Das war einfach nicht ich. Das alles entsprach nicht meinem Wesen. Ich stehe nicht auf Liebe, Kuscheltiere und Pom Poms. Gut, Kuscheltiere sind toll, vor allem Eulen und Pinguine. Oh, und Früchte! Aber der Rest ist doof. Ich mag Tod, Vernichtung und die totale Weltherrschaft. DAS ist mein Element. Wenn da hin und wieder eine süße kleine Liebesgeschichte zwischen rutscht, dann kann ich damit gut leben.

Aber solch seltsame Sätze wie „Lass uns zusammen schöne Dinge erleben“?! Das klingt für mich wie die Vorstufe zur Schizophrenie. Versteht mich nicht falsch, ich LIEBE es über Psychopathen zu lesen, aber selbst einer werden? Eher nichts für mich. Auch wenn der Gedanke verlockend klingt, da muss ich leider passen. Ich sehe nun einmal in Gefägnisklamotte nicht gerade toll aus. Das dürften übrigens die Wenigsten hier.

Gerade weil mir die Wortwahl missfiel, habe ich sie mir etwas mehr angepasst. Habe der ganzen Geschichte quasi ein Owl-Make-Over verpasst. Die Sätze waren nicht mehr blumig-fluffig, sondern gingen eher in die Richtung nüchterne Subjektivität, wenn ihr versteht was ich meine. Ich bin kein Freund von Einhorn-Metaphern und werde es wahrscheinlich auch niemals sein. Deshalb werde ich diese Dinge aus diesem Wortbereich auch zum Verrecken nicht verwenden. Sie mögen vielleicht dem ein oder anderen gefallen und sogar helfen – aber bei mir sorgen sie für nichts anderes als einen Brechreiz – um es internet-freundlich zu sagen.

Ich habe also alles „umschrieben“. Dabei habe ich natürlich darauf geachtet, dass die Message dieselbe blieb. So funktionierte die Sache etwas besser. Dennoch war es komisch, plötzlich vor dem Spiegel mit der Intention zu stehen, gleich sich selbst sein neues Mantra vorzuleiern. Aber an dieser Stelle muss ich ehrlich zugeben, dass es eine reine Gewöhnungssache ist – und genau das hatte Louise Hay in ihrem Vorwort auch angesprochen. Es wird mit der Zeit besser und das Reden fiel mir heute sehr viel leichter als es noch am ersten Tag der Fall war.

Wie bereits erwähnt, finde ich das Buch sprachlich etwas merkwürdig, doch der Inhalt hat mich wirklich sehr überrascht. Bis hierhin war „Spiegelarbeit“ tatsächlich so eine Art von Selbstreflexion. Hay hat über wichtige Themen gesprochen, die für jeden Menschen relevant sein dürfte. Dinge wie Verarbeitung, Trauerbewältigung und auch Vergebung werden erwähnt, in einen guten Kontext gebracht und (nachdem man die ganze Sache für sich selbst formuliert hat) plausibel gelöst. Natürlich sollte man an dieser Stelle kein Wunderheilmittel für Depressionen oder dergleichen erwarten.

Meiner Meinung nach hilft Louise Hay der einzelnen Person nur dabei, einige Missstände selbst aufzudecken und zu beheben. Das sind meist Dinge, die wir nur zu gern unterdrücken oder in unserem Unterbewusstsein leben, die uns so aber gar nicht bekannt waren. Egal welcher Natur dieser „seelische“ Misstand auch sein mag – er wird durch „Spiegelarbeit“ erkannt und wir können endlich etwas dagegen tun, sodass er uns nicht mehr herunterziehen kann. An sich keine schlechte Sache.

Diese Missstände sollen dann durch „Selbstliebe“ ersetzt werden. Selbstliebe habe ich auch dem Grund in Anführungszeichen gesetzt, da ich der Meinung bin, dass ein gesunder Geist über ausreichend Selbstliebe verfügt. Demnach sollten die Missstände nicht durch Selbstliebe ersetzt, sondern durch nun erfolgte Wahrnehmung dieser mit positiveren Kehrwert ersetzte werden. Das klingt jetzt ein bisschen schwachsinnig und geschwollen, aber anders kann ich das gerade nicht erklären. Und ich bezweifle auch, dass ich meine Gedanken gerade vernünftig zum Ausdruck gebracht habe.

Es wäre am Anfang hilfreich gewesen, wenn Hay erklärt hätte, für wen dieses Buch genau geeignet ist. Denn wie bereits erwähnt, verfügt ein geistig gesundes Individuum über genug bzw. ausreichend Selbstliebe. Da Hay sehr oft von Selbstliebe spricht, frage ich mich, ob sich „Spiegelarbeit“ nicht doch an die Art von Mensch richtet, die nur sehr wenig bis gar keine Selbstliebe für sich empfinden. Deshalb zweifle ich gerade noch, ob dieses Buch wirklich etwas für mich ist. Ich lehne mich einfach mal sehr weit aus dem Fenster und behaupte, dass ich mich gut leiden kann – AUCH, wenn ich mich manchmal selbst erwürgen könnte, bei dem Mist, den ich ab und an baue. Aber das gehört dazu. Wenn es das nicht gäbe, wären wir alle schrecklich verzogene Gören ohne jeden Sinn für Vernunft und Unvernunft.

Aber generell finde ich die Idee des Dialoges mit sich selbst gar nicht so verkehrt. Um ehrlich zu sein, hat es mir sogar Spaß gemacht. Man muss die ganze Sache schließlich nicht grottenernst durchziehen, sondern sich auch hin und wieder einen kleinen Flax erlauben. Außerdem gewöhnt man sich so an den eigenen Anblick, was Fotos doch nicht mehr so schlimm aussehen lässt.

Eigentlich hatte ich an dieser Stelle vor, die schriftlichen Aufgaben, die Louise Hay ihren Lesern zum Abschluss des Tages gibt, hier wiederzugeben. Das möchte ich allerdings nicht mehr tun, weil einige Dinge sehr privat geworden sind, die, wie ich finde, auch privat bleiben sollten. Ich bin ja eine totale Verfechterin von Online-Transparenz – aber nur in Hinsicht auf Paid Content und Kooperationen. Außerdem wisst ihr alle schon viel zu viel über mich und ein bisschen mysteriousness möchte ich mir dann auch noch bewahren…

Wie findet ihr die Worte von Louise Hay?

Entsprechen sie eurem Wesen oder wären sie auch euch ein bisschen too much?

 

Lasst es mich doch einfach in den Kommentaren wissen, denn ich unterhalte mich doch so gern mit euch. Morgen gibt es dann endlich die Rezension zu „Libellenschwestern“ auf meinem Blog und das um Punkt 6:00 Uhr. Schaut doch morgen auch vorbei und sagt Hallo!

 

Und bis dahin:

Eat, read, sleep & repeat!

 

Spiegelarbeit von Louise Hay erschien im Heyne Verlag.

Die Einleitung zu dieser Reihe findet ihr hier.

 

 

 

 

*Kostenloses Rezensionsexemplar.

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