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Das Buch fühlt sich wirklich wie tiefster Winter an: Überall kleine Special Snowflakes, die zum Würgen anregen. Herrgott, war das ein absoluter Nervenkiller.

Ich gehörte wohl zu den glücklichen BloggerInnen, die via Netgalley ein digitales Rezensionsexemplar von „Immerwelt“ (Gena Showalter) erhalten habe, wofür ich auch wirklich dankbar bin. Nein, im Ernst. Für jedes einzelne Rezensionsexemplar und jede Kooperation bin ich immens grateful, denn als Studentin kann man sich die neuen Releases finanziell einfach nicht jeden Monat erlauben und dennoch eine Möglichkeit zu haben, sie zu lesen, ist einfach toll. Meine Dankbarkeit gegenüber den Verlagen aufgrund dessen lässt aber nicht meine Meinung zu den Büchern auf magische Art und Weise ins Positive rücken.

Immerwelt war für mich einfach die Mitte von der Mitte.

Nicht mehr und nicht weniger. Tatsächlich gibt es positive und negative Aspekte und leider Gottes haben die negativen überwogen, wobei diese jetzt nicht so schlimm waren, dass ich wirklich radikal sagen musste, dass es hier nicht mehr als 3 Sterne gibt. Sagen wir, das Buch hatte seine Konjunktionen und Depressionen, wobei meine Depressionen beim Lesen den meisten Teil der eher trüberen Laune ausgemacht haben.

Hierzu muss ich allerdings sagen, dass das nicht mein erstes Buch von Gena Showalter (Autorin) war, sondern ich auch mit den Alice-Retellings (Zombie-Schiene) vertraut bin und tatsächlich sagen muss, dass im Vergleich zu ihren Alice-Büchern Immerwelt ein wirklich trauriger Abklatsch ist. Versteht mich bitte an dieser Stelle nicht falsch, denn ich fand nicht alles schlecht. Die Idee war interessant, sonst hätte ich das Buch ja nicht in die Hand genommen. Aber mit diesem Jugendroman reiht sich Showalter zusammen mit Kandare Blake und einiger anderer Kanditaten in die Liste der Autoren mit guten Absichten, aber katastrophalen Umsetzungen ein. Weder für Autoren noch für mich eine Leistung, auf die man stolz sein sollte. (Es sei denn, man hat es darauf angelegt, ein absolut grottiges Buch mit toller Idee zu schreiben. Dann: Hut ab! So viel Mist kann ich nicht produzieren, lel.)

Aber warum genau war Immerwelt jetzt so ein großer pain in the ass, dass es für mich zu Immerschmerz wurde?

*räusper* Ich habe eine Liste. *ellenlange Pergamentrolle entroll*

Ja, ich habe actually Gründe für meine Behauptung. Liest man heutzutage selten, ich weiß. (salt, salt, salt.) Ich werde aber nicht anfangen, hier mit Textstellen und -seiten zu zitieren! Im Ernst. Ihr braucht mich gar nicht mit euren Puppy Eyes anstarren. Das gibt es hier nicht. Im Endeffekt schlägt so wie so keiner nach und ich mach die ganze Geschichte nur für die Looks. Nope dopey, ich bin raus! Kommen wir aber jetzt zu meiner Liste*.

*Habe ich schon erwähnt, wie sehr ich Listen liebe?

Immerwelt beginnt in einer Irrenanstalt, da Tenley sich einfach keine Seite aussuchen will?! Sie hat sich zwischen Gut und Böse zu entscheiden und beide Seiten haben irgendwie Krieg und irgendwie haben sowohl Gut als auch Böse gute und schlechte Seiten, was nun einmal das Fazit ziehen lässt, dass beide weder gut noch böse sind, sondern irgendwo in der Mitte. VERWIRREND, ICH WEIß.

Tenleys Eltern wollen, dass sie mit der guten Seite einen Vertrag abschließt, weil sie dann Geld oder andere Gefälligkeiten bekommen oder so etwas in der Art. Fragt mich nicht mehr genau nach dem Inhalt, dass ich das Buch gelesen habe ist schon eine kleine Weile her. Jedenfalls will Tenley sich nicht entscheiden, WEIß GOTT WARUM und ihre Eltern schließen sich dafür einfach weg. In eine Art Sanatorium. Wo die gefoltert wird. Die. ganze. verdammte. Zeit. über. Ihr dachtet also, eure Eltern wären schlimm? Weit gefehlt, sehr weit gefehlt.

Um es kurz zu machen: In Immerwelt dreht es sich um nichts anderes als darum, das Tenley nicht zu einer verdammten Entscheidung fähig ist! Sie verbringt lieber den Rest ihrer Tage in diesem Irrenhaus, lässt sich foltern und sieht zu wie ihre Freunde sterben, als dass sie „zu vorschnell“ eine Entscheidung trifft. Ist das Mädchen doof oder einfach nur sadistisch/masochistisch eingestellt? Das ist jetzt eine ernst gemeinte Frage. Absolut ernst.

Immerwelt beginnt mit einem eMail-Austausch von Rekrut und Admiral (?) der jeweiligen Fraktion untereinander. Beide sind quasi dazu beauftragt worden, Tenley auf ihre Seite zu ziehen. Natürlich müssen das zwei hutaussehende und attraktive Boys sein, woraus sich später wieder ein VERDAMMTES LIEBESDREIECK entwickelt!!! Was habe ich noch letztens in meinem Post über Dinge geschrieben, die Autoren nicht tun sollten? Richtig: Schmeißt die Love-Triangles raus! Aber flott. Das kann sich doch kein normaler Mensch antun…

Jedenfalls war es von Anfang an klar (also für mich), dass Tenley sich für den Bad Boy entscheidet, denn anscheinend scheinen momentan alle Teenies auf Bad Boys zu stehen, jedenfalls ist Wattpad der schlichte Beweis dafür. In jedem zweiten Titel kommt entweder die Wörter Bad Boy oder Hure drin vor. *clap clap* Herzlichen Glückwunsch! Hier steht die missratene Jugend.

Gut, das war jetzt etwas dramatisch formuliert, ihr müsst dem dennoch einen gewissen Wahrheitsgehalt zugestehen. Wenn 10 – 16 Jährige so etwas lesen, dann kann deren Weltvorstellung doch nur ziemlich den Bach runter laufen. Ich habe damals meine Zukunftsvorstellungen mit Disney ruiniert. Heute tut es die Jugend mit xXIAMAGODDAMNBADGIRLXx oder so etwas in der Art. Ihr wisst, worauf ich hinaus will.

Was wirklich strange war, war die Tatsache, dass der Admiral (?) Archer in einem Frauenkörper zu seiner Mission geschickt hat? Ich mein: Wieso? War Archer jetzt nur quasi als Repräsentant der Queer-Szene drin, damit man wenigstens etwas Diversity im Buch hat? Wenn dem so sein sollte, war das eine wirklich schwache Leistung und hat seinen Sinn der Sache absolut verfehlt. Das war einfach nur lächerlich und total unnötig. Diese Tatsache hat der Geschichte einfach nicht geholfen und sie auch nicht weitergebracht. Und wenn so etwas der Fall ist, kann man so etwas unnötiges auch einfach raus lassen. Außerdem: Nicht jedes Jugendbuch braucht Diversity-Repräsentanten. Punkt.

Weitere Dinge, die ich nicht mochte:

  • Tenleys Zahlentick. Ich meine: come on! Hier sitzt jemand, der alles töten würde, was nur annähernd einem mathematischen Symbol ähnlich sieht.
  • Ziemlich blutrünstig für ein Jugendbuch. Aber die Jugend liest ja auch Geschichten über Mafia Huren & Schlampen, von daher sollte ich eigentlich nicht überrascht sein. Für mich war das viele Blut und die Gewalt zwar nice, aber: Leute, das ist ein JUGENDbuch. Das ist eigentlich für Menschen zwischen 10 – 18 (?).
  • Aufgrund der Gewalt versuchte man Tenleys Charakter zu stützen. Absolut fehlgeschlagen. Tenley ist und bleibt eine weinerliche Special Snowflake, dass sie so brutal ist, ändert nichts an dieser Tatsache. Im Gegenteil: Es lässt sie aussehen, wie ein kleines jähzorniges Kind, das erst einmal sein ganzes Spielzeug zerstört, nachdem es seinen Willen nicht bekommen hat. Ja, Leute, genau DARÜBER möchte ich lesen. Ich fühle mich ja SO unterhalten.
  • Dadurch, dass das Buch sich eigentlich nur immer wieder um Tenleys VERDAMMTE ENTSCHEIDUNG gedreht hat, kam mir das Buch so unendlich lang vor. 

Es gibt natürlich auch Dinge, die ich mochte. Sonst hätte ich keine 3 Sterne vergeben…

  • So. Viel. Blut. Und. Gewalt. Versteht mich nicht falsch, ich bin absolut kein gewalttätiger Mensch. Aber seid Game of Thrones bin ich absolut into such brutality. Es gibt dem ganzen einfach diese pikante Priese. Gefällt mir. (Aber immer noch nicht appropriate für ein Jugendbuch, just saying.)
  • Dadurch, dass alles einfach nur so schlimm und brutal war (mal abgesehen von Tenleys schrecklichem Entscheidungszwang), hatte man einfach durchgehend keine Ahnung was als nächstes passiert. Wenn ich daran zurückdenke, habe ich dabei immer den Song von Owl City im Kopf.

It’s unbelievable
This is as good as it gets
It’s unbelievable
Don’t know what’s gonna happen next
It’s unbelievable
You haven’t seen nothing yet
It’s unbelievable, it’s unbelievable

Quelle: Unbelievable , Owl City

  • Einen Pluspunkt hat auch das Cover von mir bekommen. Es ist wirklich simpel und schlicht und dennoch wirklich aussagekräftig. :3
  • Das Ende war kind of bittersweet? Und es lässt mich wirklich wondering zurück, was im nächsten Teil passieren wird. Hier muss ich allerdings zugeben, dass ich nicht weiß, OB ich ÜBERHAUPT weiterlesen will. Denn die Angst davor, dass das Buch weiterhin so meh bleibt, ist einfach ziemlich groß. Mal schauen, wie ich zum Release Date drauf bin. Wir werden sehen.
  • Der Humor. Etwas schwarz, etwas sexuell. Wirklich genial. Absolut meine Schiene. Schade, dass viele online sehr getriggered davon waren. Aber sei’s drum. Diese Menschen wissen einfach nicht, was gut für sie ist. :p

 

Alles in allem war Immerwelt okay. Gut, es fällt in den Bereich: Mehr schlecht als okay, aber immerhin nicht grottenschlecht. Ich habe meinen Kopf nur milde gegen die Wand geschlagen, lel. Jedenfalls war es keine vollkommen verschwendete Zeit, schließlich hatte das Buch auch seine guten Seiten. Die Charaktere? Sie haben mich null interessiert, aber hey, echte Menschen interessieren mich auch nicht. :p

Jedenfalls bekommt das Buch solide 3 Sterne von mir und an dieser Stelle danke ich netgalley.de und dem Harper Collins Verlag für dieses Rezensionsexemplar, auch wenn es leider nicht so gut ausfiel wie erhofft, war es doch schön das Buch zu lesen.

Welches Buch hat euch in der letzten Zeit zutiefst enttäuscht?

 

 

 

*Kostenloses Rezensionsexemplar
*Kann man schon als WERBUNG bezeichnen, oder?

 

 

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